Seemandelbaumrinde gegen Laichverpilzung
Geschrieben von Aspi   
Donnerstag, 30. April 2009

Meine Manacopuru Rotrücken Skalare Laichen regelmässig im Gesellschafts- Aquarium (Meistens auf schönen Echinodorus Blättern). Dort hat der Laich keine Chance durch zu kommen. In meinem Aufzuchtbecken ist der Laich regelmässig verpilzt bzw. die Eier sind alle weiss geworden. Ich habe also verschiedene Möglichkeiten getestet diese "Laichverpilzung" zu unterbinden.
Getestet habe ich Methylenblau, Erlenzäpfchen und Seemandelbaumrinde. Mit erstaunlichem Resultat.

 

Das Hauptaquarium ist ein 672 Liter (160x60x70) Aquarium. Die Wasserwerte sind wie folgt:
Leitfähigkeit: 90µS/cm
GH: 2.5°dH
KH: 1°dH
pH: 6.7
Temperatur:29°C
Nitrat: ca. 10mg/L
Nitrit: nicht Nachweisbar
Es erfolgt ein kontinuierlicher Wasserwechsel. Das heisst es fliesen pro Tag etwa 150 Liter Frischwasser (Durch Leitwertcontroller auf 80µS/cm vorgemischt) ins Aquarium.

Das Becken ist mit einem 36W UV Entkeimer verbunden, dessen Auslauf in ein 60 Liter Aquarium führt das wiederum durch einen Überlauf mit dem Hauptaquarium verbunden ist.
Das 60 Liter Aquarium wird also laufend von frisch entkeimtem Wasser durchflutet. (1000L/h). Die Strömung wird durch Matten auf beiden Seiten des Aquariums also auf die ganze 30x30cm Fläche verteilt, so dass trotz des grossen Durchflusses kaum Strömung wahrnehmbar ist. Der Luftsprudler im Becken sorgt für mehr Strömung als der Durchfluss von 1000L/h.
Dieses 60 Liter Aquarium sollte das Aufzuchtaquarium für die ersten paar Wochen sein.

Für die Eier ist in diesem 60 Liter Aquarium noch ein Einhängebecken (ca. 5L) eingebracht. Das Einhängebecken kann so betrieben werden, dass kein Wasseraustausch mit dem 60Liter Aquarium stattfindet. Es kann aber auch per Luftheber so geschaltet werden, dass es dauernd Frischwasser aus dem 60 Liter Becken bekommt, welches durch einen Ausgang (mit Matte) wieder abfliest. (auch der Abfluss kann verschlossen werden, so dass wirklich kein Wasseraustausch stattfinden kann. Zusätzlich ist im Einhängebecken ein Luftsprudler eingebracht.

Durch den Luftsprudler steigt der pH im Einhängebecken auf ca. 7.2 an, wenn kein Wasseraustausch mit dem 60 Liter Aquarium stattfindet.

Egal wie ich es angestellt habe, ohne Zusatzmassnahmen war der Laich praktisch nicht durch zu kriegen. Also habe ich verschiedene Tests gemacht.

Getestet habe ich die chemische Keule Methylenblau, den Klassiker Erlenzäpfchen und meine Seemandelbaumrinde.

Methylenblau:
Das Einhängebecken wurde mit Wasser aus dem 60 Liter Aquarium befüllt und dann vom 60Liter Aquarium (und somit auch vom Hauptaquarium) getrennt.
Ich habe so viel Methylenblau zugegeben dass das Wasser deutlich blau war. Eine milde Dosis also. Man konnte noch gut durch das ganze Einhängebecken sehen.
Der Luftsprudler wurde eingeschaltet, um die Sauerstoffversorgung in dem kleinen Einhängebecken zu gewährleisten. Der pH im Einhängebecken blieb bei 7.2. Schon 2h nach dem Transferieren des Geleges waren einige Eier weiss. Am nächsten morgen schon fast die hälfte. Kurz: Kein einziges Ei hat es bis zum Schlupf geschafft. So viel zur Chemischen Keule. Vielleicht hätte ich deutlich höher dosieren müssen aber das wollte ich einfach nicht. Eigentlich war ich froh, keine Methylenblauen Skalare aufziehen zu müssen.

Erlenzäpfchen:
Das Einhängebecken wurde mit Wasser aus dem 60 Liter Aquarium befüllt und dann vom 60Liter Aquarium (und somit auch vom Hauptaquarium) getrennt.
Ich gab in das knapp 5 Liter fassende Einhängebecken 25 grosse Erlenzäpfchen. (also eine recht hohe Dosis) Nach ca. 5h war das Wasser schön braun. Man konnte aber noch gut durch das Becken durchsehen. Der pH ist auf 6.4 gesunken und der Laich wurde transferiert. Auch 3h nach dem Transferieren des Laiches waren noch keine Eier weiss. Bingo! Am nächsten morgen waren dann ca. 10% der Eier weiss. Das Wasser war dunkelst braun und man konnte fast nichts mehr sehen im Einhängebecken. Der pH war auf 6.0 gesunken. Nur dank der starken LED Taschenlampe konnte ich noch prüfen wie die Eier aussehen.
Nach knapp 3 Tagen, also kurz vor dem Schlupf habe ich angefangen, das braune Wasser im Einhängebecken durch Wasser aus dem 60 Liter Aquarium zu ersetzen, so dass das Wasser dann beim Schlupf nur noch Bernsteinfarben war.  Von den ca. 150 Eiern sind etwa 50 Larven geschlüpft. Leider wurden die praktisch alle in einer Nacht in eine Spalte zwischen Filtermatte und Glaswand gezogen. 2 dieser Skalärchen haben überlebt und sind jetzt schon ca. 10cm hoch gesund und munter.

Seemandelbaumrinde:
Mit der Seemandelbaumrinde bin ich genau gleich vorgegangen wie bei den Erlenzäpfchen. (Ich habe die Seemandelbaumrinde vorher kurz mit siedendem Wasser übergossen /gewaschen) Ich habe für die knapp 5 Liter Wasser 8g. Seemandelbaumrinde eingesetzt. Eine massive Dosis also, die normalerweise für ein 400 Liter Aquarium empfohlen wird. Das Wasser war nach ca. 5 Stunden ähnlich braun wie bei den Erlenzäpfchen (nicht ganz so stark) der pH ist auf 6.5 gesunken. Auch 2-3h nach dem Transferieren der Eier war noch keines weiss. Am nächsten morgen war das Wasser dunkelbraun und hatte eine Massive Trübung. Es war unmöglich etwas zu sehen im Einhängebecken. Mit der LED Taschenlampe konnte ich ein weisses Ei entdecken, war aber nicht sicher ob ich alles sehe. Es war wirklich sehr trüb. Egal ich lasse es nun drauf ankommen, dachte ich. Der pH war auf 6.3 gesunken.
Kurz bevor es Zeit für den Schlupf war, begann ich wie bei den Erlenzäpfchen das Wasser langsam auszutauschen. (Die Rinde habe ich entfernt).
Beim Schlupf war das Wasser fast klar und nur noch bernsteinfarbig. Das Resultat war überwältigend. Ich hatte weit über 100 Larven! Ich konnte insgesamt ca.10-15 weisse Eier zählen was ca. 10% entspricht.
Dieses mal wurden auch keine vom Filter eingeklemmt, die kleinen Skalare sind nun etwa so gross wie ein 10 Rappen Stück (nur Körper, es sind ca. 120 Stk.) und tummeln sich in einem bald auch schon zu klein werdenden 200 Liter Aquarium das ich auch noch an den Wasserkreislauf des Hauptaquariums gehängt habe.

Fazit:
Vielleicht habe ich das Methylenblau nicht richtig angewendet aber das ist mir egal. Methylenblau ist für mich gestorben. Ob es nun die pH Senkung, die Gerbstoffe oder andere Wirkstoffe waren. Erlenzäpfchen waren dem Methylenblau bei weitem überlegen. Den grössten Erfolg hatte ich mit der Seemandelbaumrinde.
Für mich ist klar ich werde nur noch mit Seemandelbaumrinde arbeiten oder allenfalls mit Erlenzäpfchen und Seemandelbaumrinde in Kombination.

Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 30. April 2009 )